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Theater der Imagination
Ilya Epelbaum (*1961 + 2020) Theatergründer und Leiter des Moskauer Theater Tjen (1988-2020) verstand Dramaturgie als „die zeitliche Abfolge der Ereignisse“ – also als die Struktur der Handlung. Dieses Prinzip wurde in Form der Textdramaturgie auf das „Theater der Imagination“ übertragen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um reine Dramaturgie, verkörpert in der Konstruktion von Text und Musik.
In diesem Theater wird nur durch das Zusammenspiel von Worten, ihrer Position, Musik und Rhythmus in einem Film die Vorstellungskraft der Zuschauer:innen angeregt, dass der Eindruck entstehen soll, die Vorstellung tatsächlich gesehen zu haben.
Die Aufführung entfaltet sich in der Vorstellung des Publikums und hat eine klare Struktur. Nach der Idee des Autors findet die Handlung im „Theatre of Imagination“ ausschließlich im Kopf des Zuschauers statt: Es gibt einen Rahmen mit dem Text, der die Szene beschreibt, und Musik, die die Atmosphäre schafft. Die Wahrnehmung des Textes hängt von der Geschwindigkeit, der Schriftart, der Position des Textes im Rahmen, den Zuflüssen und der Interaktion des Textes mit der Musik ab. Auf der Bühne passiert nichts.
Es gibt eine Einführung/ Moderation von Maiya Krasnopolskaya. (Am Do auf Russisch und am Fr. und Sonntag auf Deutsch)
Epelbaum selbst zeichnete einst ein Diagramm des „Theaters der Imagination“ in Form einer Wolke: Die Wolke des Regisseurs – die Idee der Aufführung – ist mit der Wolke des Zuschauers – dem wahrgenommenen Bild der Aufführung – verbunden. Die Wolken unterscheiden sich bei einer realen und einer imaginären Inszenierung. Daher existiert grundsätzlich keine objektive Aufführung, sie existiert nur in der Wahrnehmung des Zuschauers. Warum also Zeit mit ihrer Erstellung verschwenden? Wenn man die ideale Idee einer idealen Aufführung teilen und geeignete Bedingungen für den Zuschauer schaffen kann.„Das Theater der Imagination“ entstand als natürliches Ergebnis der Arbeit des Regisseurs und Künstlers Ilja Epelbaum. „Der Dichter wird zu einem wahren platonischen Demiurgen, der alles außer der Materie erschafft und sich mit der Erschaffung der Welt beschäftigt“ [1, S. 132]. Diese Welt, die er sein ganzes Leben lang erfunden hatte, geriet schließlich in die Schwerelosigkeit. Was wird mit dem Theater geschehen, nachdem es die „Null der Form“ überschritten hat? Neue Dichter werden es neu erfinden.
Theater Tjen (Schatten) wurde 1988 in Moskau von dem Ehepaar der Schauspielerin Maiya Krasnopolskaya und dem Designer Ilya Epelbaum, gegründet. Dieses Unternehmen ist das erste private Theater im postsowjetischen Russland und ist heute ein staatliches Theater mit eigenem Veranstaltungsort. Begonnen mit Schattentheaterproduktionen, experimentieren die Autor:innen endlos mit verschiedenen Genres, Formen, Arten und sogar Maßstäben von Theaterproduktionen (einige der Produktionen sind für nicht mehr als 5 Zuschauer:innen vorgesehen).
Kartenpreis 12,-
Vorstellungstermine:
Im Moment sind keine Vorstellungen geplant.


